Treas erzählt nen’ Witz

Für die Kenner unter den Rostocker Konzertgängern ist es ja schon lange kein Geheimnis mehr: Das momo ist als Konzertloaklität eher ungeeignet. Das wird wohl sicherlich auch immer so bleiben, und man muss sich anscheinend damit abfinden. Ein bisschen besseres Licht, eine grössere Bühne + Tanzfläche und vielleicht noch eine bessere Lüftung können da schon Wunder bewirken. Aber Geld ist knapp und der Platz am Vögenteich ist keine Frühlingswiese. Daher: immer das Beste draus machen - oder die Bierpreise erhöhen. Aber wer will das schon? Soviel zum ungewohnt unholperigen Kritikteil und gleich straight zum ebenso unholperigen Auftritt an sich.

Rocko Schamoni also. Held der Arbeiterklasse, Menschenfreund und musikalisches Wunderkind, Erfinder des Golden Pudel Clubs, Idol der deutschen Musikelite und bestaussehendster Jazzgitarrist im Westen, besuchte das bis hier schon arg gescholtene momo, um ein wenig Glanz in der überröteten Hütte zu verbreiten. Und man muss zugeben: so lustig und flockig leicht sich Schamonis Texte auf Platte anhören, so eindringlich lo-fi, gefühlvoll und frisch klingen sie live. Das liegt vor allem an seinen kühnen textlichen Improvisationen während - und zwischen den Songs.

Doch Rocko ist nicht alleine. Die Little Machine wusste immerfort Schamonis Stimmgewalt in Szene zu setzen und in das richtige Licht zu rücken. Insbesondere das Drumspiel wird noch weit nach unser aller Lebenszeit seinesgleichen suchen. Hit um Hit spielend, merkte man auch Schamoni die nach und nach von ihm abfallende schwere Bürde des Popidols an. Souverän zwischen Witz und Eindringlichkeit wandernd, schaffte er es Stück für Stück, die Herzen des angeschwipsten Publikums für sich zu gewinnen. Zurecht folgten nach den obligatorischen “We will, we will Rocko!” - Rufen, immer und immerwiederkehrende Zugaben bis in die frühen Morgenstunden.

Zusammenfassend kann man sicherlich sagen, dass auch dieses Konzert sich in eine lange Tradition von wunderbar, herzerfrischenden, schnapsgetünchten Abenden einreihen wird. Zurecht wird noch der ein oder andere Besucher des Konzertes seinen Enkeln erzählen können, wie er damals Rocko sah und seine spätere 3. Ehefrau kennenlernte.

Spaß beiseite. Klischeehafte Reviews überlassen wir mal lieber den Anderen. Konzert war grossartig, momo wie immer, nur schade, dass man sich eine der Ikonen der deutschen Indie-Szene ins Haus holt, und danach einfach nur übelste Kinderbratze spielt. Das ging ein wenig am Zielpublikum vorbei. Trotzdem ein wunderbarer Abend mit vielen guten Gefühlen. Hauptsache, Rocko lässt nächstes Mal nicht wieder so ‘nen Spinner ans Mikrofon. Der Witz war ja so schlecht, dass selbst Faxe System nicht drüber lachen konnte. Und der muss es ja schliesslich wissen.

Mehr Bilder gibts hier: http://www.ktv-zone.de

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