Washington

Januar 31, 2007

Beim Lesen der Überschrift mag sich so manch einer denken: “Yeah, endlich mal Politik hier!” Gibts aber nicht, man soll doch angenehme Stunden auf diesen Seiten verbringen.

Als ich gerade eben (vor ca. 5 min) meine Emails checkte und dabei Udo Lindenberg hörte, sprang mir glücklicherweise eine Nachricht der Proton Konzertagentur ins Auge. Normalerweise wird sowas ganz gerne überlesen. Heute mal nicht, man hat ja Zeit. Selbst dort stand ellenlangerweise nicht ein bisschen für mich relevanter Inhalt drin. Glücklicherweise schreckt mich ein bisschen Firlefanz nicht ab, und ich las weiter. Glück gehabt. Denn wie ich dort lesen konnte, kommt die wunderbare Band Washington am 24.03. in den MAU Club. Zum ersten Mal erfuhr ich von deren Existenz in einem Rockpalast Norwegen-Special, währenddessen sänger Rune charmant durch die norwegische Subkultur führte und allerlei Tricks zum gepflegten Betrinken, in einem Land mit exorbitanten Alkoholpreisen, verriet. Nett, auf jeden fall.

Musikrichtungsmässig geht das ab wie Radiohead, die zu viel Krautrock gehört haben. Muss man dann wohl dabei gewesen sein, denke ich mal.

Zufall oder nicht?
Als ich eben gerade zu Recherchezwecken zu dieser Review im weltweiten Netz unterwegs bin, und die myspace Startseite betrete, sind es gerade die Decemberists die mir da von myspace music empfohlen werdem.
Ein zweischneidiges Schwert: Zuallererst bin ich dadurch natürlich zu spät. Der Zweite im Stall. Derjenige, der abschreibt.
Andererseits gibt mir das die hervorragende Gelegenheit, einen Anfang zu finden. Auf myspace sollte man allerdings sowieso nichts zählen. Was waren das noch für Zeiten, als man Musik durch nächtelange VIVA 2 Sessions entdeckte. Die heutige Flut moderner Musik durch die verschiedensten Kanäle ist natürlich ein schönes Mittel, gute Kunst zu verbreiten. Sie birgt allerdings auch die Gefahr einer Trivialisierung derselben. Von der Meinungsmacht der Konzerne und ihrer subtilen Marketingmaschinerie ganz abgesehen.
Nun muss natürlich ein ganz gewagter Bogen geschlagen werden, um zum neuen Album der Decemberists zu gelangen.
Diese sind, wenn man so will die Antithese zu Bands wie z.B. den Arctic Monkeys, auch wenn sie sich namenstechnisch geradezu perfekt in die Garde der “The TheThes” einreihen.
Denn was die Decemberists schon immer ausmachte war eine unbedingte Wichtigkeit der Songs. Eine Aussage und ein allumfassendes künstlerisches Werk.
Eingesponnen in einem Netzt aus Folk, Pop, Rock und lauter kleinen maritimen und militaristischen Anleihen ging es noch nie um weniger als den Menschen und dessen Schicksal. Lieder über Disco-Queens in engen Hosen kann jeder schreiben, der auch eine Gitarre dreiakkordig bedienen kann. Tanzen ist ja schön und gut. Das Leben besteht aber nicht nur aus Pommes und Disko.
Und genau das vermitteln The Decemberists immer wieder. Es wird ja nicht umsonst das Schifferklavier eingesetzt. Und das auch noch häufig. Alleine dadurch und Colin Meloys Stimme wird die Musik der Band so prägnat, dass sie sofort hervorsticht.
Wie auch in den Alben zuvor sind die Lyrics teilweise arg verschachtelt, um dann aber an den wichtigen Stellen wieder perfekt mit der Musik zu harmonisieren.
Thematisch wird das angeschnitten, was die Menscheit schon seit Urzeiten bewegt: Die Liebe und der Kampf.
Dabei bleibt das Werk immer durchgängig und zusammenhängend hörbar ohne jemals trivial oder auch zerrissen zu wirken. Im Grunde genommen klingen The Decemberists so wie Neutral Milk Hotel, hätten die das damals richtig durchgezogen. Aber ein Verhaspeln in die Fallstricke der alternativen Musik und ein Druck, irgendwie anders oder gar einzigartig zu klinngen, scheint nicht auf den sechs Musikern zu lasten. Braucht er auch gar nicht. Die tun es schon von alleine.
We’ll fill our mouths with cinnamon now!

Erscheinungstermin ist der 02.02.2007
Empfehlungen: The Crane Wife 3, O Valencia!, Shankill Butchers, Sons and Daughters

Eine kleine Durchsage für die immerguten Menschen, die sich dauernd auf diese, meine Seiten verirren, um Informationen zum Thema “Immergut 2007″ zu erhaschen:

  • Erstens: Das Immergut wurde dieses Jahr traurigerweise auf das erste Juniwochenende verlegt. Vorbei die gute Maiseeligkeit.
  • Zweitens: Karten gibt es auch schon bei eventim für stolze 44€. Damit hätte sich der Preis des schnuckeligen Schätzchen namens Immergut in den letzten drei Jahren fast verdoppelt.
  • Drittens: Meine Wette für das Line-up dieses Jahr: Polarkreis 18 und (wenn mich mein Gespür nicht trügt) The Arcade Fire (deren neues Album im übrigen recht famos geworden ist)

… zu Klee zu gehen. Auf LOHRO werden extra Werbetrailer zum Klee-Konzert am 20.02.2007 gesendet. Soweit natürlich kein Grund, dort hinzugehen.  Doch als Voract wird dort Jens Friebe angekündigt. Und der ist ja erwiesenermassen super.

Nun bin ich ein wenig hin - und hergerissen zwischen meinem neuen besten Freund Kristoffer Ragnstam, der am gleichen Tag auf der Stubnitz auftritt  und Jens Friebe. Dem einzigen Menschen auf der Welt, der neben mir den Wert der Band “Die Regierung” und deren Album “Unten”  (Kein Scheiss: Die vielleicht beste Deutsche Platte der 90er) zu schätzen weiss. Sozusagen mein Bruder im Geiste. Vielleicht geht ja irgendwie Beides.

Wie vielleicht  einige meiner Zig-Tausend Leser wissen, bin ich im Nebenberuf Datenbankhure für ein grosses Deutschlandweites Lifestyle - und Singleportal. Da macht man dann so Sachen wie Termine von Diskotheken, die so heissen wie “Matrix” oder “Dorfscheune” in eine Termindatenbank einzutragen. Gerade eben habe ich mich per ICQ über eine arbeitsbedingte Problematik unterhalten. Zitat:

Treas (04:33 PM) :
ich hab gestern und heute nochmal komplett bremen und schleswig holstein ageschrieben. jetzt mach ich mich auf nach niedersachsen. alles schön von oben nach unten abarbeiten. die ostdeutschen länder fehlen aber noch rigendwie ganz schön dolle
Tine (04:34 PM) :
scheiß ossis halt
Tine (04:34 PM) :
da weiß man ja auch nie ob das ein nazischuppen oder puff is

Neuer Termin

Januar 23, 2007

So, liebe Kinder!

Mittlerweile kommt man ja kaum noch nach, alle möglichen guten Konzerte hier anzukündigen. Einen Versuch ist es aber allemal wert. Die zweitwichtigste Neuigkeit des Tages lautet: Wolfkin kommen nach Rostock. Ort des Sepktakels ist die Escobar am 13.02.2007. Wirklich beschreibbar ist die Musik jetzt so ganz spontan nicht. Irgendwo zwischen Dark Wave und Flower Pop, sollte man das überhaupt irgendwie verbinden können, liegt sie wohl.

Um die Güte der Band hervorzuheben, sei nur erwähnt, dass sie ein paar Tage später mit den Rifles in Berlin spielen.

Architecture in Helsinki - We Died, They Remixed (VÖ: 19.01.2007)

Nun ist es geschehen, und es war ja eigentlich auch vorhersehbar. Architecture in Helsinki werden geremixt. Schnell noch ein komplettes Album daraus zusammengeschustert und ab geht die Post. Schön allerdings, dass man bisher von Hype-Wellen in den einschlägigen Fachmagazinen verschont wurde.
So bleibt das nun vorliegende Remix-Alben ungewohnt unerwähnt in der Blogsphäre. Und das vielleicht zurecht.

Obwohl einige namenhafte Künstler daran mitarbeiteten (stellvertretend zu nennen wären hier vielleicht Mocky, Hot Chip und Dat Politics als wohl namenhafteste Vertreter der mixenden Zunft), scheinen sich die Originalstücke immer wieder dagegen zu sträuben, in eine andere, als ihrer eigenen Form, gepresst zu werden. Ein wirkliches “zueinander passen” und “sich ergänzen”, oder gar “neue Seiten aus dem Song hervorholen” scheint es nicht zu geben. Die grundsätzliche Songstruktur scheint ungebrochen, verliert aber den Charme der Originaltitel.
Da kaum ein Mix wirklich zu überzeugen weiss, wird die Ursache wahrscheinlich in den Originalen selbst liegen.
Diese schienen selbst schon immer wie zusammengeschustert und durch eine höhere Gewalt doch wieder wunderbar zusammengehalten zu sein.

Das ist wie bei alten Kassetten (einige von euch werden sie noch kennen).
Wenn man eine Kopie kopiert, und dann wiederum kopiert, gibt es irgendwann nur noch Rumgeflicker. Nimmt man nun an, dass das bisherige Schaffenswerk von Architecture in Helsinki ein Remix ihrer kulturellen und musikalischen Sozialisation ist, lässt sich schnell erahnen, dass ein Remix ausgerechnet dieser Songs nicht überzeugen kann. Natürlich nur Gesetz dem Falle, der Remixer hat eben diese Sozialisation nicht mitgemacht. Und davon ist auszugehen.

Wahrscheinlich sind die Songs der Band einfach zu verspielt, unkonventionell und vertrackt, dass man nicht umhin kommt sie zu vereinfachen um sie als Aussenstehender zu bearbeiten.
Trotz Allem ist “We Died, They Remixed” dann aber doch eine gute Platte. Vielleicht keine, auf die die Welt gewartet hat, aber ganz bestimmt eine, die alleine schon durch die zauberhaften Melodien Architecture in Helsinkis gefallen darf. Aber dafür reichen auch die Originalplatten

Heute entdeckt

Januar 22, 2007

Gerade bin ich ein wenig am Stöbern und finde dann diesen tollen Text. Ich schmunzele immernoch. Ich schwör!

Hallo,
ich habe ein großes Problem. Ich habe letztes Jahr im September meine jetzige Frau (Ukrainerin) kennengelernt. Ich bin Deutscher. Heirat war dieses Jahr im Februar in der Ukraine. Seit 2 Wochen ist sie nun hier. Und es ist eine Riesenkatastrophe, um es gelinde auszudrücken. Ich möchte das nicht im Detail beschreiben. Nur ein paar wenige Dinge, die ausdrücken, dass es echt heavy ist und dass ich schon nach nur 2 Wochen “Zusammenleben” die Scheidung will:
1. Innerhalb der 2 Wochen hat sie mich mit nachweislich 3 verschiedenen Männern betrogen.
2. Sie ist sehr oft betrunken und verwüstet die Wohnung. Einmal ist sie im Haus im Flur umhergeirrt und hat nackt bei allen Nachbarn geklingelt, weil sie die Toilette, die natürlich in meiner Wohnung ist, gesucht hat. Meine Wohnung hat sie allerdings nicht mehr gefunden und hat dann in den öffentlichen Hausflur gekackt. Meine Mitmieter sind natürlich extrem ensetzt.
3. Einmal kam die Polizei. Meine Frau hatte sich gerade mit einem Russen vergnügt und währenddessen eine SMS an einen anderen Freund von ihr gesendet, dass sie in Gefahr sei, weil ich sie bedrohe. Dieser Freund rief die Polizei, die bei mir alles auf den Kopf gestellt hat, bis ich ihr glaubhaft versichern konnte, dass sie gar nicht bei mir war.

Es gibt noch viele andere Dinge, Lügen usw. Es ist echt nicht auszuhalten. Ich will die Scheidung/Annulierung und zwar so schnell wie möglich. Wie schnell kann das ablaufen, wenn meine Frau sich nicht querstellt? Muß ein Trennungsjahr abgewartet werden? Wo soll meine Frau in der Zwischenzeit wohnen? In meiner Wohnung ist es nicht zumutbar. Eine andere Wohnung kann und will ich nicht finanzieren. Außerdem kann sie unmöglich alleine wohnen. Sie spricht kaum Deutsch. Außerdem flippt sie dann wahrscheinlich total aus, wenn keiner sie mehr kontrolliert. Zum Verständnis, ich habe sie in den ersten Tagen gar nicht kontrolliert. Nach den ganzen Vorfällen jedoch traue ich mich nicht mehr, sie nur einen Schritt alleine machen zu lassen. Ich habe mit ihr geredet usw. Aber es bringt nichts. Heute z.B. hatte sie mir versprochen, dass sie ihren einen Freund, der die Polizei rief, nicht mehr anruft und nicht mehr mit ihm spricht. Und heute Nacht um 3 Uhr, habe ich dann ein Telefonat belauscht (sorry, aber ich muß kontrollieren s.o.) , dass sie ihn liebt und nie Sex mit mir hatte usw.

Für mich ist jetzt wirklich endgültig Schluß, es hat keinen Sinn.

Also: Wie schnell ist eine Scheidung machbar und wie soll das in der Praxis bis dahin aussehen, wo soll meine Frau wohnen???

( Quelle: http://www.answer24.de/recht/Scheidung_von_Auslaenderin_101524.htm )

Via http://scammerinfo.wordpress.com/2007/01/20/schnauze-voll/

Kleiner Scherz. In Wirklichkeit kommen nur deren kleine Brüder aus Deutschland: Die Trashmonkeys. Die klingen recht ähnlich, und wahrscheinlich merkt man am Ende gar keinen Unterschied. Dises ganze Neo-Punk-NewWave-Indie-Gedöns ist doch eh immer die alte gleiche Leier.

Zum Glück ist der Mensch ein Gewohnheitstier und es macht ihm nichts aus. Somit wird die Existenz gleich ein wenig erträglicher und man kann auch ganz getrost zu den Tashmonkeys gehen und Spaß haben. Ist ja immerhin eine LADO Band. Und das will was heissen. Man sieht sich.

Ort und Datum: 03.03.2007 / MAU Club Rostock

Patrick Wolf ist einer der grössten Künstler unserer Zeit. Er selber wird es sicherlich schon ahnen, zumindest verhält er sich entsprechend verschroben und musikalisch hat er obige Behauptung schon bewiesen, als “Alternative” mal steil war und nur seltsame Spinner mit zu weiten Röcken Folkmusik machten, die keiner hören will.
Der erst 23 Jahre alte Patrick lebt seit er 16 ist alleine in London, werkelt dabei schon seit frühester Kindheit auf allen möglichen Instrumenten herum und beherrscht diese dann wunderkindmässig lässig.
Im weitesten Sinne beherrscht der Pop das nun vorliegende Album. Ein Stilbruch zu den Vorgängeralben, möchte man sagen. Dort herrschte eine alles überlagernde Melancholie über einen Teppich aus kleinen, zauberhaften Melodien gepaart mit sehr konventionellen und nicht unbedingt innovativen elektronischen Elementen. Aber gerade diese Kombination macht das bisherige Lebenswerk Patrick Wolfs so stimmig und wunderbar einzigartig.
Während der letzten 2 Jahre muss da also einiges passiert sein. Glücklicher geworden ist er anscheinend nicht. Dunkle Töne beherrschen auch weiterhin das Geschehen, doch grundsätzlich ist “The Magic Position” durchaus eingängiger geworden. Wieveil von dieser Entwicklung dabei dem Wechsel zum Majorlabel Universal geschuldet ist, darüber kann natürlich spekuliert werden.
Man mag sich jedoch gar nicht trauen, diesem Künstler auch nur annähernd eine Form von “Sellout” vorzuwerfen. Ein kleines Reinhören reicht schon, um festzustellen: Auch hier gibt es nichts für die Massen zu holen. Patricks prägnante Stimme (die zurecht nur gehasst oder geliebt werden kann) erzählt wunderschöne, kleine Geschichten und begleitet den Hörer durch eine teilweise wunderbar orchestral anmutende Produktion (Magpie), über fast schon klassisch klingende Songwriterstücke (Augustine), hin zu (man mag es kaum glauben) tanzbaren Stücken (Overture, Get Lost, Accident & Emergency). Dabei wird natürlich eine gehörige Portion von Geigen vs. elektronischer Beats nicht vergessen.
Insbesondere diese sehr heiter anmutende Form von Melancholie lässt dieses Album und Patricks Musik im allgemeinen immer wieder herausstechen.
Traurige oder fröhliche Musik gibt es zu Genüge auf dieser Welt. Aber Stücke, die so starke Gefühle hervorrufen, ohne dass man überhaupt weiß, woher sie kommen und gegen die man sich nicht wehren kann, findet man nicht auf jeder Platte.
Dieses Werk ist unbeschreiblich gut, und es sei jedem empfohlen, sein sauer Erspartes auf den Kopf zu hauen, nach London zu fliegen und sich ein Konzert dieses Mannes zu genehmigen.
Wehe also dem, der nichts zu verprellen hat.

http://www.patrickwolf.com/