Patrick Wolf – The Magic Position (VÖ: 05.02.07)
Januar 17, 2007

Patrick Wolf ist einer der grössten Künstler unserer Zeit. Er selber wird es sicherlich schon ahnen, zumindest verhält er sich entsprechend verschroben und musikalisch hat er obige Behauptung schon bewiesen, als “Alternative” mal steil war und nur seltsame Spinner mit zu weiten Röcken Folkmusik machten, die keiner hören will.
Der erst 23 Jahre alte Patrick lebt seit er 16 ist alleine in London, werkelt dabei schon seit frühester Kindheit auf allen möglichen Instrumenten herum und beherrscht diese dann wunderkindmässig lässig.
Im weitesten Sinne beherrscht der Pop das nun vorliegende Album. Ein Stilbruch zu den Vorgängeralben, möchte man sagen. Dort herrschte eine alles überlagernde Melancholie über einen Teppich aus kleinen, zauberhaften Melodien gepaart mit sehr konventionellen und nicht unbedingt innovativen elektronischen Elementen. Aber gerade diese Kombination macht das bisherige Lebenswerk Patrick Wolfs so stimmig und wunderbar einzigartig.
Während der letzten 2 Jahre muss da also einiges passiert sein. Glücklicher geworden ist er anscheinend nicht. Dunkle Töne beherrschen auch weiterhin das Geschehen, doch grundsätzlich ist “The Magic Position” durchaus eingängiger geworden. Wieveil von dieser Entwicklung dabei dem Wechsel zum Majorlabel Universal geschuldet ist, darüber kann natürlich spekuliert werden.
Man mag sich jedoch gar nicht trauen, diesem Künstler auch nur annähernd eine Form von “Sellout” vorzuwerfen. Ein kleines Reinhören reicht schon, um festzustellen: Auch hier gibt es nichts für die Massen zu holen. Patricks prägnante Stimme (die zurecht nur gehasst oder geliebt werden kann) erzählt wunderschöne, kleine Geschichten und begleitet den Hörer durch eine teilweise wunderbar orchestral anmutende Produktion (Magpie), über fast schon klassisch klingende Songwriterstücke (Augustine), hin zu (man mag es kaum glauben) tanzbaren Stücken (Overture, Get Lost, Accident & Emergency). Dabei wird natürlich eine gehörige Portion von Geigen vs. elektronischer Beats nicht vergessen.
Insbesondere diese sehr heiter anmutende Form von Melancholie lässt dieses Album und Patricks Musik im allgemeinen immer wieder herausstechen.
Traurige oder fröhliche Musik gibt es zu Genüge auf dieser Welt. Aber Stücke, die so starke Gefühle hervorrufen, ohne dass man überhaupt weiß, woher sie kommen und gegen die man sich nicht wehren kann, findet man nicht auf jeder Platte.
Dieses Werk ist unbeschreiblich gut, und es sei jedem empfohlen, sein sauer Erspartes auf den Kopf zu hauen, nach London zu fliegen und sich ein Konzert dieses Mannes zu genehmigen.
Wehe also dem, der nichts zu verprellen hat.
Januar 24, 2007 at 5:18
da gibts nichts für die massen zu holen? weit gefehlt. der junge ist einfach so bekannt, wie seine musik pop ist.
außerdem hat er eindeutig zuviel mit dem/seinem männlichen geschlecht rumgespielt.
Januar 24, 2007 at 6:46
interessante behauptung.
es ist halt die frage, wie man “die masse” definiert. und ich würde behaupten, dass sich (auf deutschland bezogen) der bekanntheitsgrad Patrick Wolfs im zehntel-prozent-bereich befindet (wenn überhaupt). und das zurecht. sicherlich ist die musik im weitesten sinne pop. was auch sonst? nur liegt ihr auch eine schwermut und generelle attitüde zugrunde, die es ihm schmer macht, massenkompatibel zu klingen. der gemeine mob will erheitert werden und von der arbeit (bzw. nicht-arbeit) abgelenkt werden. ein beschäftigen mit dem eigenen drama findet nicht durch die popkultur (und schon gar nicht kultur im allgemeinen) statt, sindern durch das saufen eines kasten oetti (was auch seine reize hat).
Februar 23, 2007 at 8:35
“ein beschäftigen mit dem eigenen drama findet nicht durch die popkultur (und schon gar nicht kultur im allgemeinen) statt, sondern durch das saufen eines kasten oetti (was auch seine reize hat).”
Mal davon abgesehen, dass sich das eine mit dem anderen verbinden lässt, lebt Popkultur doch immer wieder gerade dadurch, dass Menschen ihr eigenes Drama in dem von Musikern besungenen wiederfinden.