The Decemberists - The Crane Wife
Januar 25, 2007

Zufall oder nicht?
Als ich eben gerade zu Recherchezwecken zu dieser Review im weltweiten Netz unterwegs bin, und die myspace Startseite betrete, sind es gerade die Decemberists die mir da von myspace music empfohlen werdem.
Ein zweischneidiges Schwert: Zuallererst bin ich dadurch natürlich zu spät. Der Zweite im Stall. Derjenige, der abschreibt.
Andererseits gibt mir das die hervorragende Gelegenheit, einen Anfang zu finden. Auf myspace sollte man allerdings sowieso nichts zählen. Was waren das noch für Zeiten, als man Musik durch nächtelange VIVA 2 Sessions entdeckte. Die heutige Flut moderner Musik durch die verschiedensten Kanäle ist natürlich ein schönes Mittel, gute Kunst zu verbreiten. Sie birgt allerdings auch die Gefahr einer Trivialisierung derselben. Von der Meinungsmacht der Konzerne und ihrer subtilen Marketingmaschinerie ganz abgesehen.
Nun muss natürlich ein ganz gewagter Bogen geschlagen werden, um zum neuen Album der Decemberists zu gelangen.
Diese sind, wenn man so will die Antithese zu Bands wie z.B. den Arctic Monkeys, auch wenn sie sich namenstechnisch geradezu perfekt in die Garde der “The TheThes” einreihen.
Denn was die Decemberists schon immer ausmachte war eine unbedingte Wichtigkeit der Songs. Eine Aussage und ein allumfassendes künstlerisches Werk.
Eingesponnen in einem Netzt aus Folk, Pop, Rock und lauter kleinen maritimen und militaristischen Anleihen ging es noch nie um weniger als den Menschen und dessen Schicksal. Lieder über Disco-Queens in engen Hosen kann jeder schreiben, der auch eine Gitarre dreiakkordig bedienen kann. Tanzen ist ja schön und gut. Das Leben besteht aber nicht nur aus Pommes und Disko.
Und genau das vermitteln The Decemberists immer wieder. Es wird ja nicht umsonst das Schifferklavier eingesetzt. Und das auch noch häufig. Alleine dadurch und Colin Meloys Stimme wird die Musik der Band so prägnat, dass sie sofort hervorsticht.
Wie auch in den Alben zuvor sind die Lyrics teilweise arg verschachtelt, um dann aber an den wichtigen Stellen wieder perfekt mit der Musik zu harmonisieren.
Thematisch wird das angeschnitten, was die Menscheit schon seit Urzeiten bewegt: Die Liebe und der Kampf.
Dabei bleibt das Werk immer durchgängig und zusammenhängend hörbar ohne jemals trivial oder auch zerrissen zu wirken. Im Grunde genommen klingen The Decemberists so wie Neutral Milk Hotel, hätten die das damals richtig durchgezogen. Aber ein Verhaspeln in die Fallstricke der alternativen Musik und ein Druck, irgendwie anders oder gar einzigartig zu klinngen, scheint nicht auf den sechs Musikern zu lasten. Braucht er auch gar nicht. Die tun es schon von alleine.
We’ll fill our mouths with cinnamon now!
Erscheinungstermin ist der 02.02.2007
Empfehlungen: The Crane Wife 3, O Valencia!, Shankill Butchers, Sons and Daughters
Februar 1, 2007 at 7:04 Uhr nachmittags
Das Video zu “O Valencia”
http://www.ifilm.com/video/2816811
Februar 8, 2007 at 10:11 Uhr nachmittags
echt gut geworden