Am letzten Freitag machte ich mir den Spaß und besuchte so gegen 17 Uhr den Vorplatz des MAU Clubs, um zu schauen, wie sich hunderte Jugendliche zu Marketingzwecken von Coca-Cola instrumentalisieren lassen. Gut, zu der Zeit waren es erst ein paar Dutzend. Lustig anzuschauen war die ganze Schose mit dem Cola-Stand und den wohl irgendwie hip wirkenden rot gefärbten W-LAN Terminals allemal. Also alles wie erwartet und weg da.

Mir war schon Wochen vorher klar, dass ich das dazugehörige Konzert von We Are Scientists nicht besuchen und stattdessen Chumbawamba und Bettina Schelker auf der Stubnitz live sehen würde. Man kommt ja langsam in die Jahre und von kostenlosen Promo-Shirts lass ich mich schon lange nicht mehr locken. Dann doch lieber Folk.

Die Kombination Hauptact Chumbawamba und Bettina Schelker als Vorband habe ich bereits vor etlichen Jahren in Rostock live gesehen und war schon damals absolut hingerissen von der grossartigen Österreicherin Bettina Schelker und verfolgte ihre weitere Karriere daher digital in Form ihres regelmässigen Newsletters.
Auch Chumbawamba waren damals schon groß für mich, ganz besonders abgesehen von ihrem einzigen wirklichen Hit “Tubthumping”, der vielleicht ab - und an auf Oldieparties als Partyknaller gespielt wird, der mit dem eigentlichen politischen und kulturellen Vermächtnis der Gruppe jedoch eher weniger zu tun hat.

Und so ging dann auch der Abend dahin: Nach Bettina Schelker, die ihr etwa dreiviertelstündiges Songwriterin - Set routiniert spielte und leider und zu Unrecht dafür keine Zugaberufe erntete, folgten Chumbawamba mit einer Akustikcollage englischer Arbeiterklassen - und Revolutionsstücke, beginnend im 14. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Darunter befanden sich wunderbarerweise auch einige Eigenkompositionen. Chumbawamba stammen ja nicht umsonst aus der Hausbesetzerszene Englands. Auch wenn die 5 Damen und Herren mittlerweile älter und vor allem gediegener aussehen.
Was dort also musikalisch geboten wurde - im weitesten Sinne Folkmusik - passte dann auch altersmässig ganz gut zum anwesenden Publikum. Mit meinen fast 24 Lenzen fühlte ich mich dann doch sichtlich jung.
Sowas hat aber auch was ganz gutes. Da fühlt man sich gleich ein wenig reifer und besser sowieso als all die Wodka-Cola trinkenden Erstsemester im MAU Club.
Auf so 5 - Stimmigen Gesang mit verrücktem Aktzent und Schifferklavier hat man als Jugendlicher von Welt ja eh keine Böcke drauf.
Polemik, Polemik!

One Response to “Chumbawamba auf der Stubnitz”

  1. Ja, warum eigentlich... ? « Go!Fidelity Says:

    [...] wenn ich meine Großeltern besuchen war. Gottverschlafenes Nest. Ansonsten wäre evtl. noch wieder Chumbawamba eine Empfehlung wert. Die spielen am 03.06. am [...]

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