Matschekopf

September 16, 2007

So siehts aus. Die letzten 2 Tage waren durch 2×20Stunden Dinge tun unterbrochen von 4 Stunden Schlaf neben einer Kreissäge geprägt. Augenringe bis auf Grund und überhaupt den Wunsch, Amsterdam zu besichtigen aber keinerlei Energie in meinem Körper vorhanden haben. Das Schiff schwankt, ich vertippe mich und nebenbei läuft wie schon seit Tagen The Kid.

Zur Zeit sitze ich im AV – Lab auf der Stubnitz, welche bekannterweise immernoch (übrigens bis zum 2.12. noch) in Amsterdam liegt.

Am Freitag hatten wir eine alljährliche Rock/Rockabilly Veranstaltung zu Gast. 600 Leute an Bord, 8 Bands und sehr entspanntes Publikum. Als elektronischen Abschluss des Abends gab es Kid606 mit sehr schön entspanntem Dubstep. Da war alles gut und die ganze Nacht draussen stehen bei gefühlten 5 Grad Celsius vergessen. Die hiesige Rockerszene kommt in Amsterdam übrigens ebenso mit dem Fahrrad und nicht mitm Moped. Überhaupt sehen die Menschein hier älter aus, als anderswo. Der Fakt, dass die Menschen hier im Schnitt mindestens 2 Meter grösser sind als überall sonst, bleibt jedoch stehen.

Erwähnenswerterweise habe ich an besagtem Freitag auch das lustigste Übergeben ever gesehen. Eine ca. 50 Jahre alte Frau in einem lustig aussehendem Waldmeistergrünen Wickelkleid schaffte es vom Bardeck nicht mehr rechtzeitig auf die (zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich eh unbrauchbaren) Toiletten und übergab sich über den gesamten kleinen Tresen. Fatalerweise hielt sie sich die Hand mit gespreizten Fingern vor den Mund, um so einen wunderschönen Streustrahl zu erzeugen. Zumindest hatte ich daher ein Unterhaltungsthema für den Abend.

Jedenfalls ist 7Uhr eine tolle zeit, um schlafen zu gehen und so begab ich mich in meine Koje. Meine Kabine teile ich mir übrigens mit meinem Mit-Azubi Dennis. Nur am Rande erwähnt. Pünktlich um 11:30 klingelte mein Wecker und ich begab mich daran zu duschen und allerlei sonstigen überflüssigen Kram zu machen. Als da wären: Amsterdamer Stadtpläne und Fährfahrpläne zu studieren, Brote zu schmieren und Mitcrewmitglieder zu wecken. Es wurde nämlich politisch. Ein lokales antifaschistisches Bündnis rief zu einer Demo irgendwo in einem abgelegenen Stadtteil Amsterdams auf. Diese dient zur Vorbereitung einer Gegendemo zu einem geplanten Hoschiumzug der lokalen Nationalen Vollpfostenpartei am nächsten Wochenende. Da war also Saufproleteneinsatz gefragt. Zu viert machte man sich auf den Weg – leider mit dem Auto und nicht wie geplant mit Fähre und Fahrrad. Zur Demo an sich gibt es nicht allzuviel zu sagen. Ruhig wars, Aufgenommen von den Anwohnern wurde es auch gut. Seltsamerweise hat es in Amsterdam funktioniert einen wild randalierenden, linken Terrormob mit nur insgesamt 10 Polizisten in Schach zu halten. Gut ausgebildet, die Kollegen hier, würd ich mal sagen.

Danach noch fix einkaufen gewesen um die Fahrt als Dienstfahrt zu tarnen. Käse für die Kombüse, Zitronen für die Bar. An Bord zurück wurde dann erstmal geschwitzt. Der Landgang, welcher aussieht wie Scheisse musste schön gemacht werden. Gelungen ist es teilweise, Josef ist ja begabt. Ich besann mich auf meine Stärken – roher Körperkraft und Ausdauer in Sachen körperlicher Arbeit. Planken schleppen und Sand schippen für den Weltfrieden und einen sicheren Landgang waren angesagt.

Zum Abendessen gab es dann Nudeln in Zucchini – Sahne – Soße (mit Speck!!!!). Josefs Freundin Luise, welche hier die Küchenfee und Assi-Köchin spielt (umgangssprachlich: Bulletenschmied), sorgt jedenfalls dafür, dass die Crew in den 2 Wochen hier ca durchschnittlich 2-3 Kilo zugelegt hat.

Abends jedoch gab es Haß. Minimaltechno auf jedem Floor. Das Schiff voll mit ca. 900 Leuten, mutmaßlich einer der grössten Parties des Jahres in Holland, die Stubnitz ausverkauft und Ticketpreise von bis zu 50€ auf dem Schwarzmarkt. Keine Ahnung, wer da aufgelegt hat – kling ja eh alles gleich. Aber den Leuten hats gefallen. Tekkerland Holland strikes back!

Hier kommen Leute mit 300€ an Bord und hinterlassen 50€ Trinkgeld. Und ich muss am Einlaß stehen, wo ohne Geld rumhantiert wird. Die Karten werden per Scankasse eingelesen und ich beschränke mich darauf, sicherheitstechnisch zu kontrollieren, dass das Schiff nicht überfüllt wird. So stand ich dort mit dem weltberühmten Axe – Klicker und klickte. 7 Stunden lang. Bis 9 Uhr geht die Party dann doch noch, danach wird noch grob Klar Schiff gemacht und ich liege  kurz vor 10 Uhr im Bett. Der Sonnenaufgang so gegen 7Uhr war jedoch wunderschön – ich aber tot. Etwa um 13 Uhr klingelte mein Wecker in Form einer überdimensionierten Kreissäge, die 4m neben meiner Kabine versuchte, Metall zu zerfetzen und mir Ärger zu bereiten.

Zum Mittag gab es Käsebrot und eine warme Dusche. Nun schreibe ich diesen Text und bin mit dem nächsten Satzendzeichen auch damit fertig.

3 Responses to “Matschekopf”

  1. Karo Says:

    Na das hört sich alles schön und lustig an. Freu mich schon auf weitere Stories aus dem ach so fernen Holland.
    vG Karo

    PS: Die High Queens spielen doch nicht im Moya – zumindest nicht so bald, Termin wurde verlägt auf Januar. Ist mir grad hier aufgefallen…

  2. Zugucker Says:

    Die Kotzaction hätte ich auch gerne gesehen. Ich mag ja besonders den Moment, wenn der Nacken sich ruckartig zusammenzieht und dann mit immer wieder unglaublicher Geschwindigkeit der Mageninhalt in die Gegend schießt.

    Selberkotzen fetzt dagegen natürlich nicht mal halb so viel.


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