Music From The O.C. Mix 6: Covering Our Tracks
Dezember 4, 2006

Während in Deutschland gerade die dritte Staffel von O.C. California läuft, startet demnächst schon die vierte Staffel in den USA. Um aber auch uns einen Vorgeschmack auf die Ereignisse, die da kommen mögen, zu geben, gibt es jetzt schon Sampler Nr. 6(!) aus der Reihe “Music from the O.C.”. Dieser besteht, wie der Name schon sagt, komplett aus gecoverten Stücken.
Darauf finden sich neben, auch in Deutschland, bekannteren Gruppen, wie den Mates of State, Pinback oder Rogue Wave ebenso unbekannte Künstler und Bands, deren Tracks dennoch Lust auf Mehr machen.
Doch der Reihe nach. Der Opener “Float On” von Goldspot (im Original von Modest Mouse) bringen schon während der ersten Takte das Gefühl kalifornischer Strände und endloser Glückseligkeit ganz gut rüber. Ein feines Stück Tanzmusik mit Gitarre, Drums und Xylophon. Ein wenig Old - fashioned - sicherlich. Aber gute Musik war ja schon immer mehr oder weniger in.
Track 2 und 3 können einfach lockerst übersprungen werden, spannender wird es dann schon bei Track 4: “California” gecovert von den hochverehrten Mates of State.
Wer schon das Original von Phantom Planet nicht leiden konnte (obwohl es ein wirklich formidabler Song ist), wird auch hier sicher nicht glücklich werden. Schuster bleib bei deinen Leisten. Die Mates of State machen daraus eine etwas ruhigere Nummer, mit dem typischen Twee - Pop - Gesang, dominierendem Klavierspiel, Streichern und dezent eingesetzten Begleitinstrumenten. Nett anzuhören.
Track 5 ist mit “Wasted” (Original von Black Flag!) sicherlich nicht einer der stärksten Songs von Pinback, doch wer schon immer auf die catchy Gitarrenriffs und mehrstimmigen Männergesanng stand, wird hier wohl auch ganz glücklich werden.
Darauf folgend nimmt sich John Paul White des Klassikers “Can’t Get It Out Of My Head” des Electric Light Orchestras an. Vielleicht ein bisschen zu langsam geraten, aber für ruhige Abende allemal zu gebrauchen.
Track 7 ist dann die Überraschung des Samplers: Rogue Wave sampeln die Pixies. und das auch noch mit einem ihrer prägnantesten Songs: Debaser. Frank Blacks einzigartiger Gesang und das kurze trockene Schlagzeug der Pixies sind wie weggefegt, und was übrig bleibt ist ein zeitgemässer Autofahrersong, mit genügend Potential zum Hit in der Indie-Diskothek.
Syd Matters belegt mit “Hello Sunshine” Platz 8 der Playlist. Im Original von den Super Furry Animals, klingt Matters’ Version wie Thom Yorke im Frühling und lächelnd.
Eine grössere Enttäuschung liefert dann Tally Halls Version von “Smile Like You Mean It” der Killers. Die Entscheidung, ob es im Ende ein voll Pathos strotzender Lobgesang auf die Killers, oder doch nur ein unterdurchschnittlicher Popsong werden sollte, ging offensichtlich unentschieden aus. Und so stürzt man sich durch dieses Stück mehr schlecht als recht.
Bei Track 10 (The M’s - Come In Our Room) wird dann, seit langer Zeit wieder, der Skip-Knopf betätigt, um beim vorletzten Titel anzukommen, der betreffenderweise “The End’s Not Near” heisst, im Original von The New Year stammt und von der Band of Horses gespielt wird.
Spätestens bei der Titeldauer des letzten Titels “Into Dust” von Chris Holmes (Original von Mazzy Star), wird einem die Bedeutung des Titelnamens des vorletzten Tracks klar: 9:04. Vielleicht ein bisschen lang für die immergleiche Melodie und die wiederkehrenden Vocals. Empfehlenswert zum Einschlafen bei Sonennaufgang.
Insgesamt bietet “Music From The O.C. Mix 6: Covering Our Tracks” viel gute Musik für wenig gutes TV. Aber das hier soll ja auch keine Fernsehkritik werden.
Audrey - Visible Forms
Dezember 3, 2006

Es ist Dezember 2006, kurz vor Weihnachten, nicht ganz so grau über Deutschland wie erwartet und die schwedische Band Audrey bringt ihr erstes Album „Visible Forms“ heraus. Weltweit vertrieben wird es via Hausmusik, in Deutschland nimmt sich das Berliner Label Sinnbus dem Göteborger Quartett an.
Hervorgebracht haben die 4 Damen einen schönen Soundtrack zum kommenden Winter. Das Prinzip der skandinavischen Melancholie – Talenteschmiede hat wieder zugeschlagen.
Und wie sooft ist man geneigt, sämtliche Klischees und Wordkeulen, die der Popjournalismus zur Verfügung stellt, zu gebrauchen. Sofort springen einem Begriffe wie „Flächen“, „Traurigkeit“, „Wendungen“, aber auch „Schönheit“ fast schon vom Kopf direkt in die digitale Feder.
Vergleiche zu ziehen, fällt dann eher schwer. Sicherlich ist auch Audrey, wie so vielen anderen skandinavischen Bands auch, der verschneite Einsamkeitsfaktor anzuhören. Doch „klingen wie“, oder „sich anhören als ob“, scheint nicht gerade eine Stärke der Band zu sein. Postrock klingt unüberhörbar durch, und ab und an könnte man denken, da steht Björk höchstpersönlich am Mikrofon, nur um alleine diesen Gedanken innerhalb einer Silbe wieder zu verwerfen. Denn was Audrey mindestens ebenso gut können, wie möglichst unskandinavisch skandinavisch zu klingen, ist das Spiel mit den kleinen musikalischen Kniffen, der Schweden schon seit Jahrzehnten zur Nummer 2 der europäischen Popmusik (hinter Großbritannien natürlich) macht.
Zum Reinhören folge man diesem LINK
Ho! Ho! Ho!
November 30, 2006

Wenn Coverversionen eines bewiesen haben, dann dass man selbst die miesesten Songs noch zu Knallerhits verwandeln kann, wenn man nur das gewisse Stückchen Talent besitzt, welches dem Originalurheber nicht gegönnt war.
Das stimmt natürlich nicht immer, und die Gradwanderung zwischen “nah am Original” und “eigenständig und doch wiedererkennbar”, fällt nicht leicht.
Nachdem vor 2 Wochen das unsägliche “Last Christmas” von Wham! wieder neu aufgelegt in die Plattenläden der Nation gepresst wurde, bringen jetzt die Kölner IndiePop - Helden Erdmöbel eine Coverversion heraus. Diese erscheint am 12.1.06 (also morgen) . Und wer jetzt denkt: “Last Christmas und Erdmöbel? Das kann nicht gutgehen!”, wird keines Besseren belehrt. Das soll ja nicht heissen, dass Erdmöbel dem Song kein eigenständiges Gewand verpasst haben. Der Unterschied, und vor allem die Erdmöbel-typische Leichtigkeit sind klar heraus zu hören. Da singt Markus Berges zwar liebevoll: “Weihnachten ist mir doch egal”, trotz allem bleibt diese Melodie auf ewig verbunden mit einem der schlimmsten Songverbrechen aller Zeiten. Bezeichnend für die ganze Idee ist, dass die zweite Version auf der der Platte schlicht und einfach “Kaufhausversion” genannt wird. So wird der eigene Anspruch relativiert und künstlerisches Potential in den Weiten schlechter Popmusik vergeudet. Da helfen selbst Erdmöbel nichts. An diesem Stück kann man nur scheitern. Merry Christmas.
Für die ganz grossen Weihnachtsnerds gibts hier jetzt das Video:
Erdmöbel - Weihnachten (Last Christmas)
VÖ: 01.12.2006
Mates of State - Bring it back, VÖ: 15.09.
August 30, 2006

Ein wenig aus der Übung, was das Schreiben von Plattenrezensionen angeht, wage ich mich zum neuerlichen Einstieg an diese hier. Am 15.9. erscheint das 3. Album der “Mates of State” aus Kalifornien. Das Ehepaar(!) Kori Gardner und Jason Hammel tingeln nun schon seit 1997 zuerst durch Amerika, später dann auch Asien und Europa.
Um eine halbwegs aktzeptable Musikrezension komplett zu machen, ist es an dieser Stelle notwendig, entweder persönliche Erlebnisse mit der Musik / Band anzubringen oder sich in Adjektivschlachten an der Ausdrucksfähigkeit, der Melodik oder was weiß ich aufzureiben. Da ich jedoch weder das Erstere besitze, noch Ahnung vom Zweiten habe (man beachte meine Qualifikationen zum Musikrezensionisten), bringe ich hier einfach das an, was jeder machen sollte, wenn man mal keine Ahnung hat: Vergleiche.
Für alle, die nicht wissen, was eine Twee - Band ist, empfehle ich folgenden Artikel: Twee in der englischsprachigen wikipedia. In kürze gefasst: Es ist Poppig, Rockig und ganz wichtig: oftmals gemischter Gesang (Was allerdings nicht zwingend notwendig ist. ). Wenn man versuchen wollte, Mates of State irgendwo zwischen den Stühlen einzuordnen, dann ganz bestimmt irgendwo zwischen Tullycraft und den Dresden Dolls. Wem diese Einschätzung verständlicherweise zu vage ist, sollte sich unbedingt in der media - Abteilung der MoS umschauen. Und wenn man dann immernoch der Meinung ist: “Mensch, der Treas hat aber Geschmack”, dann begebe man sich schnurstracks in 2 Wochen in den nächstbesten Plattenladen und kaufe sich die Scheibe.