Rote Raupe Stubnitz Videoblog Teil 3
November 7, 2007
Hallo Freunde und Freundinnen!
Ich habe Josef schon einmal gesagt, er solle einen myspace bulletin rumschicken, sobald er den Rote Raupe Videoblog hochgeladen hat, damit ich den treuen und treuesten Lesern meines Blogs “Bescheid!” geben kann. Wer diesen Satz übrigens genauso nerdig findet, wie ich beim Schreiben, ist definitiv noch nicht über 2003 hinausgewachsen.
Jedenfalls tat er dieses nicht und so versauert sein Videoblog über die Stubnitz in Amsterdam so vor sich hin.
Lange Worte, langes Video - man beachte den Mikrofonwindschutz!:
Wunderliches zu beobachten
November 6, 2007
Amsterdam schein eine sehr eigene Umgehensweise mit dem eigenen Namen zu haben. So habe ich in den letzten 2 Monaten 3 Abwandlungen des Städtenamens gehört. Man könnte das ja mal contesthalber aufziehen und die zahlreichen Leser dieses Blogs dazu aufrufen, sich weitere Schöpfungen einfallen zu lassen. Als da wären: Amsterdoom, Amsterdamned und seit heute: Gangstadam. Nun könnte man ja mal versuchen herauszufinden, wie anhand dieser Namensgebung, die Einwohner zu ihrer Stadt stehen. Weniger gut, werden die meisten wohl denken. Allerdings habe ich in dieser Stadt schon ein sehr hohes Maß an Lokalpatriotismus bemerkt. Schwer beschreibbar ist dieses Phänomen vielleicht eher etwas für den praktischen Amsterdambesuch. Ob dieser Lokalpatriotismus nun trotz oder gerade wegen des enorm hohen Immigrationsanteils entstehen konnte ist sicherlich etwas für die universitäten. Soziologen unter den Lesern meldet euch!
Apropros Soziologen. Um vom Anliegepunkt der stubnitz zum Hauptverkehrspunkt Amsterdams, der Centraal Station, zu kommen, nimmt man normalerweise die Fähre. Die macht dann laut brumm und erschreckt ganz viele Enten und nach 15 Minuten Fahrt ist man auch schon trockenen Fußes im wahren Amsterdam. Aber das erwähnte ich ja schon diverse Male. In eben dieser Fähre sitzt seit geraumer Zeit des öfteren ein junger Mann (Vorsicht: geschlagener Bogen!), welcher in der Tat wie der typische Soziologiestudent aussieht (Ihr wisst schon - wie die halt so aussehen…). Wer jetzt übrigens Stereotype bemerkt hat, reagiert natürlich über, habe ich doch keinerlei Stereotype genannt. Eigentlich brauchte ich auch nur eine Überleitung, also nichts mit Soziologiestudent. Der junge Herr erinenrt mich an den 80er Harold Ramis. Selbst die Frisur steht! So ungefähr sah der damals aus:

Der spielte auch immer nur die Rolle des Computernerds an der Seite von Bill Murray in den Ghostbuster Filmen, Ich glaub mich knutscht ein Elch und Täglich grüßt das Murmeltier. Grossartige Filme allerseits und gehören bis heute zu meinen Liebsten.
Mist. Komplett den Faden verloren. Ich editier das Morgen eventuell.
Aber manchmal ist Geld auch was ganz feines.
November 3, 2007

Und kommt mir jetzt nicht damit, ihr hättet das nicht eh schon gewusst.
Zu dieser Annahme bringt mich wundersamerweise der Blick in das Paradiso Monatsprogramm. Verdammt, es ist nur 20min zu Fuß entfernt.
- 08. Nov: Bob Dylan
- 15. Nov: Beirut, The Twilight Sad(!!!!!), GreatLake Swimmers
- 16. Nov: Klaxons, The Wedding Present
- 20. Nov: Jose Gonzales, Gravenhurst
- 21. Nov: Minus The Bear
- 22. Nov: Roisin Murphy
- 24. Nov: Justice
- 27. Nov: Hanne Hukkelberg (Sei hiermit wärmstens empfohlen - besonders jetzt im November)
- 28. Nov: Bishop Allen
- 29. Nov: The Fiery Furnaces
Also vielleicht doch meine zarte Kinderseele auf dem Straßenstrich anbieten? Die vielen Ausrufezeichen hinter The Twilight Sad beziehen sich im übrigen auch auf Beirut. Neben Hanne Hukkelberg (siehe obiges Bild) wird das bestimmt das beste Konzert. Für beide Veranstaltungen werde ich wohl ein paar Moneten springen lassen. Alle anderen, die ihr hier mitlest könnt ja eure “Ich könnt ja mal nach Amsterdoom, den Treas besuchen” - Planung nach diesem Plan ausrichten.
PS: es gibt ja auch noch das Melkweg und die Heineken Music Hall. Da kommen dann immer unsere Gitarrenbewehrten MTV - Helden.
Mal wieder Lunchconcert im Concertgebouw
November 2, 2007
Den Tag vor gestern, vorgestern, verbrachte ich auf zweierlei Arten. Dreierlei eventuell, das morgendliche aufstehen / duschen / anziehen / essen - Ritual sollte hier natürlich nicht unerwähnt bleiben.
Nach dem absolvieren derlei ermüdender Pflichtübungegn ging es wie jeden Mittwoch Mittag auf zum kulturellen Herzen der Niederlande - dem Museumsplein. Dort beheimatet ist seit Jahr und Tag schon immer das Concertgebouw - ebenso wie das lokale Musikkonservatorium, das Reichsmuseum, das Van Gogh Museum und alsbald auch wieder das städtische Museum.
Im Normalfall fährt man zu besagtem Lunchconcert immer dezent unvorbereit, nicht wissen, wer dort was darbietet. So kam es zB, dass ich in der Woche vor meinem Rostockbesuch mit 1000 Leuten im kleinenSaal des ehrwürdigen Konzerthauses eingesperrt war und mir 3 Sonaten für die Harfe anhören durfte. Eine Sonate ist ganz toll, zwei ebenso gut zu hören. Doch irgendwann verlässt auch den wackersten Piraten die Konzentration, insbesondere in Anbetracht vor ihm tobender, zum Konzertbesuch gezwungener Schulklassen.
Zum vorgestrigen Konzert machte sich jedoch voller Vorfreude und Enthusiasmus eine siebenköpfige Delegation (REKORD!) von der MS Stupids auf. Es spielte das Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung Kurt Masurs. Irgendwas von Tschaikowsky übrigens. Kann bestimmt ergoogelt werden.
Kurt schien etwas verärgert zu sein, fast erbost schwebte sein dirigierender Tattrich über den verängstigten Köpfen des Orchesters. So musste er das zweite Stück dann auch 3 mal abbrechen, da sich seine Zufriedenheit mit der Leistung einer Violinistin in Grenzen hielt. Nach dem dritten Anlauf brach er dann vollends ab und ging über zum dritten und letzten Stück. So kam es, dass die grosse Stunde des weltberühmten Kurt Masur hier in Amsterdam nur knapp 25 Minuten dauerte. Welch Scham sich doch im Herzen eines gestanden Künstlers aufbauen muss, der es doch bin in die hohen Weihen eines königlichen Orchesters geschafft hat, angesicht solcher Schulmeisterei.
Doch mit einem alten Dirigenten, welcher die gesamte Sinfonie aus dem Kopf konnte, mag man sich wohl doch nicht darüber streiten. Am Ende wird man ihm in derlei Fragen immer Recht geben.
Nach so viel Aufgewühltheit im Angesichte Tschaikowskys und Masrs (Tschaikowsky im übrigen ist ganz toll - nur dann auf die Dauer auch ein wenig pathetisch. Vielleicht zu “poppig”?) , stand uns allen der Sinn nach Zerstreuung. Und wer in Amsterdam Zerstreuung sucht, geht entweder zu den Damen in den neonbeleuchteten Schaufenstern, sucht einen Coffeeshop auf oder eben die Coffee Company. Eben diese ist eine stadtweite Cafe-Kette mit leichtem Start-Up-Yuppie-Charme, dafür aber mit hervorragendem Kaffe (habe ich gehört) und ebenso grossartiger heisser Schokolade (schon mehrmals probiert). Selbst preismässig ist das alles okay.
Nach dem obligatorischen “Wir trinken jetzt mal Cafe und unterhalten uns über Dinge” - Smalltalk verlangte es den meisten Leuten wieder nach dem Boote. Mir als pflichtbewusstem Veranstaltungshörnchen blieb jedoch nichts weiter, als zu Fuß durch Amsterdam zu wandern und diverse Jazz Locations aufzusuchen. Kraft meines Sakkos bin ich nun nämlich Jjazzbeauftragter der Stubnitz. Und dazu gehört nunmal auch das Flyern.
Manchmal wünschte ich meine Fahrradfahrphobie zum Teufel, so ein Spaziergang quer durch die Amsterdamer Innenstadt hat so gar nichts von Entspannung. Zumindest wurde der Rucksack von Bar zu Bar leichter.
Zu schreiben wäre vielelicht noch über die abendlichen Ereignisse, obwohl selbige sich nach einer Weile nur noch zu einem verwaschenen Etwas verbinden. Es gab nämlich eine Halloween Party auf dem Schiff. Man kennt das ja mit den Halloween - Parties. Hier ein Kürbis, da ein bisschen Spinnengewebe und 200 schwarzgekleidete Fuzzies, die keinen Alkohol abkönnen. Ich mal kreativerweise nicht als Zombi oder Zauberer oder Tod oder als was man sonst noch so geht zu solchen Anlässen, sondern zünftig als Pirat aufgetreten (ARRRRRR! NEVER MESS WITH THE GERMAN PIRATE!). Die letzte klare Erinnerung ist Felix’ Kabine, wo er, Astrid und ich noch Wodka - und Pfeffi - Vorräte klar gemacht haben. Danach dann Dusel und Aufwachen. Da folgen aber bestimmt noch ein paar grosartige Bilder, hab ich gehört. Gerüchteweise erzählt man sich von Oberkörper frei auf der Tanzfläche und Gruppentanz zu EBM. Luises Eltern (welche gerade zu Besuch sind) haben wohl auch einen eher amüsierten Eindruck von mir.
Mit eben diesem Schmunzeln verabschiede ich mich an dieser Stelle, bis päter - Cheerio!
Ist zwar schon ein wenig älter…
September 30, 2007
Genau genommen schon über einen Monat, aber vielelicht hat der ein - oder andere nocht nicht mitbekommen, dass Josef einen Videoblog über das Leben an Bord der Stubnitz in A’dam bastelt. So ca. 14-täglich erscheint dieser und wird veröffentlicht beim sympathischen Fanzine RoteRaupe.
Die bisher 2 erschienen Folgen könnt ihr hier ansehen: http://www.roteraupe.de/index.php?site=specials&sub=stubnitz
Gestern Hui - Heute Pfui!
September 28, 2007
Mittwoch Abend war eigentlich die erste, mir recht gefällig gute Party an Bord (aboard, not on board for all you english suckers!) Skip The Rush und Melomaniacs + ein recht gutes DJ - Team, welches gekonnt The Cure mit Dr. Alban mixen konnte. Spitzen Sache so ein fähiges DJ Team. Muss man mal öfters einladen aufs grandiose NDSM Gelände, wo wir ungefähr seit 3 Wochen anliegen. Bild zum Gelände siehe unten:

Artsy Fartsy dann Gestern Abend. Unsere Kontaktfrau zur Amsterdamer Szene, Zoe, entführte uns (Josef und mich) gästelistenplätzehalber zu einer Neon-Juppy-Techno-Party um dort Smalltalkkontakte zu gewinnen, sowie Flyer und Eintrittskarten loszuwerden. Blöde Idee, wenn man an den eher alternativen Charme der Stubnitz denkt. Lohnenswert jedoch war der Abend allemal. Sogar doppelt. Erstens konnten wir kostenlos Uffie sehen, welche dort zu einem wahrscheinlich überspitzten Abendentgelt versuchte, die Leute zu animieren, und zweitens aufgrund der Erkenntnis, dass Uffie doof ist. Und Komplexe hat. Und überhaupt noch nie ein Künstler so viel unverdiente Aufmerksamkeit von ernsthafter Musikpresse bekommen hat, ausser Cat5 vielleicht. Die verlinke ich nicht mal. Ha!
So siehts aus, wenn mann Abends durch Amsterdam fährt!
Die tolle Veranstaltung wurde dann auch alsbald wieder verlassen, Josef und ich Richtung Rotlichtviertel, fahrradfahrenderweise. Dorthin ging es jedoch auch nur, da sich dort einige Jazzbars und Clubs tingeln und wir noch Flyer dort platzieren wollten. Endstation Saftbar mit frisch gepresstem Orangensaft für nur 3€ (inkl. Trinkgeld). Selbst als ausgesprochener Orangensafthasser war der toll. Ausserdem ein mit Schnittlauch unfreiwillig dekorierter Kneipentisch - da kann man schon mal 25cent Trinkgeld geben.
Heute früh wie (fast) jeden Tag aufstehen und der Gedanke, nichts wirklich vorzuhaben. Der eisige Gang über den Flur von der Dusche zu meiner Kabine ließ mich jedoch überlegen die Innenstadt aufzusuchen und mir Handschuhe und Schal zu kaufen - vor allem in Anbetracht dessen, dass ich die nächsten Tage wieder zum Einlaßdienst an der Waterkant verdonnert wurde. Also ab in die bekannten Einkaufsmeilen der Weltstadt Amsterdam. Auch hier gilt: Am günstigsten kauft man immernoch bei H&M. 5€ für super Handschuhe und 6€ für einen mindestens genauso grossartigen Schal. Dazu noch Fingerkuppen von kleinen chinesischen Kindern mit eingewebt - das kommt wohlig.
Im übrigen bin ich ab sofort kein Tourist mehr. Ich wurde während meines Schlenderns durch die Stadt nach dem Weg gefragt (auf Englisch natürlich), und ich konnte sogar antworten, wusste also bescheid und war eingeweiht. Ich bin so gut, oder auch I amsterdam!!!
Zurück auf dem Schiff erschlug mich fast schon der Anblick des Landganges. Seit ca. 1 Woche wurde dort nüscht mehr gemacht. Selbst ist der Mann und 4 Mann, 4 Ecken also klar Schiff gemacht. Heute Abend ist nämlich Techno auf dem Schiff. Und da wollen wir uns doch alle schick machen. Ich werd wohl wieder klickern.
ps: Ich kenne übrigens den besten Niederländerwitz aller Zeiten:
Was passiert, wenn man 3x durch die Fahrschulprüfung fällt? Man kriegt ein gelbes Nummernschild!

Amsterdam von seiner grünen Seite
September 24, 2007
Wieder mal zweideutige Überschriften hier. AV Lab ist der Ort des Geschehens, Coost und Kay sind schon ab Mittag am rauchen, neben mir wird Schlagzeug gespielt und ich versuche, mich an die letzten Tage zu erinnern. Umgekehrt chronologisch wäre vielleicht ne’ Maßnahme. 2 Days in a life onboard the MS Stubnitz!
- gerade eben aufgestanden und geduscht (Nasszelle - 2×1m - nur mit Badelatschen zu betreten
- schlafen gegangen (in solch einer Kabine wird übrigens mein Körper gebettet:

- Abendbrot gegessen. Paprika/Kartoffelsupppe mit Hack.
- Eis in der Innenstadt kaufen gewesen. Am Sonntag haben nur die innerstädtischen Albert Heijn’s auf. Eis fast geschmolzen, als ich auf Schiff war. Konsequenterweise fast einen ganzen Liter Eis gegessen (mit Erdbeeren!). Resultat: Bauchschmerzen.
- Anspielung auf grüne Seite Amsterdams: Aufstehen und danach mit Josef, Luise und Anne im Vondelpark gewesen. Größter und bekanntester Park der Niederlande, nach englischem Gartenbau angelegt. Überteuerte Cola und Kaffee getrunken und trotz Eisappetit kein Eis gekauft.

- Schlafen gegangen
- The Low Frequency in Stereo auf der Stubnitz gesehen und danach zu Bam Bam Babylon abgespackt. Letzte privaten Bierreserven mit der Band versoffen. Im Gegenzug dafür Rostocker Doppelkümmel.
- Samstag frei. Also ab zum Decemberists Konzert im Paradiso. Super Sache so eine olle Kirche. Die erste Hälfte des Konzerts verbrachte ich ca. 5 m von der Bühne entfernt, vorne links natürlich. Irgendwann gingen mir dann die Leute auf die Nüsse und ich begab mich auf den 2. Rang nur knapp 3 m unter der Gewölbedecke. Wunderschön. Colin Meloys Gesicht, sobald er beginnt lauthals und emotionsschwanger zu singen ähnelt sehr dem Ausdruck Bill Murrays in “Täglich grüßt das Murmeltier”. So Nagetierimitationsmäßig. Hier mal ein Video aus dem Paradiso: Die Decemberists performen 16 Military Wives:
48 Stunden rekapitulierend fällt mir gerade nur noch ein, dass ich ein weiteres Zitat von der Stubnitz anbringen könnte (obwohl es thematisch vielleicht nicht so passt - nur extra ein neuer Artikel wäre auch doof):
Anne:In Photoshop bin ich ja auch ne’ totale Niete.
Ich: Und wie machst du deine Flyer?
Anne: Mit Photoshop natürlich!
Stubnitz halt. Heute werden weiter Flyer gebastelt und in Druck gegeben.
Subculture Test Nr. 2
September 21, 2007
Eben kursierte gerade hier bereits erwähnter Subculture Test im Stubnitz Büro. Maddis Antwort auf die Frage, ob er ne’ Bomberjacke besäße, war:
“Aller, ich hab mehr Bomberjacken als Landfriedensbruchanzeigen!”
Glückstag Nummer 3 dieses Jahr
September 19, 2007
Eben gerade war ich im lastminuteticketshop, wo ich mir meine Decemberists - Karte für den 22. September in der Kathedrale des Indiepops, dem Paradiso in Amsterdam (eine alte Kirche in der Innenstadt), gesichert habe. Dort sieht es ungefähr so aus:

Abgehen wird es beim Konzert ungefähr so:
Als ich das grosse Glück hatte, sie im Frühjahr in Berlin sehen zu dürfen, beschloss ich zurecht, eben jenes Konzert zum besten zu erklären, welches ich je sah. Da spielt natürlich eine Menge Gefühlsdusselei mit, mag ich die Band doch so sehr. Jedenfalls wird das wieder super, super, super. Am selben Abend muss ich jedoch leider auch wieder zurück auf die Stubnitz und arbeiten. Wahrscheinlich wieder Einlass bei The Low Frequency in Stereo. Schiffbruch, auch hier in Amsterdam.
Heute Abend gibt es eine Labelnight eines der ältesten Independent-Labels der Niederlande: Zabel. Gespielt wird folgendes:

Und da freu ich mich schon die ganzen Tage drauf, da es wahrscheinlich der für mich musikalisch interessanteste Abend diesen Monat auf der Stubnitz wird. Freu, freu - sozusagen. Gestern hatten wir die Verarbeitung voll (das ist das Bardeck). Es gab Dixieland/Streetjazz und mexikanische Folkmusik. Die Bands haben lauter Freunde angeschleppt und bis 2 Uhr Nachts durchgespielt mit auf den Tischen tanzen und allem Drum und Dran. Nette Sache.
Matschekopf
September 16, 2007

So siehts aus. Die letzten 2 Tage waren durch 2×20Stunden Dinge tun unterbrochen von 4 Stunden Schlaf neben einer Kreissäge geprägt. Augenringe bis auf Grund und überhaupt den Wunsch, Amsterdam zu besichtigen aber keinerlei Energie in meinem Körper vorhanden haben. Das Schiff schwankt, ich vertippe mich und nebenbei läuft wie schon seit Tagen The Kid.
Zur Zeit sitze ich im AV - Lab auf der Stubnitz, welche bekannterweise immernoch (übrigens bis zum 2.12. noch) in Amsterdam liegt.
Am Freitag hatten wir eine alljährliche Rock/Rockabilly Veranstaltung zu Gast. 600 Leute an Bord, 8 Bands und sehr entspanntes Publikum. Als elektronischen Abschluss des Abends gab es Kid606 mit sehr schön entspanntem Dubstep. Da war alles gut und die ganze Nacht draussen stehen bei gefühlten 5 Grad Celsius vergessen. Die hiesige Rockerszene kommt in Amsterdam übrigens ebenso mit dem Fahrrad und nicht mitm Moped. Überhaupt sehen die Menschein hier älter aus, als anderswo. Der Fakt, dass die Menschen hier im Schnitt mindestens 2 Meter grösser sind als überall sonst, bleibt jedoch stehen.
Erwähnenswerterweise habe ich an besagtem Freitag auch das lustigste Übergeben ever gesehen. Eine ca. 50 Jahre alte Frau in einem lustig aussehendem Waldmeistergrünen Wickelkleid schaffte es vom Bardeck nicht mehr rechtzeitig auf die (zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich eh unbrauchbaren) Toiletten und übergab sich über den gesamten kleinen Tresen. Fatalerweise hielt sie sich die Hand mit gespreizten Fingern vor den Mund, um so einen wunderschönen Streustrahl zu erzeugen. Zumindest hatte ich daher ein Unterhaltungsthema für den Abend.
Jedenfalls ist 7Uhr eine tolle zeit, um schlafen zu gehen und so begab ich mich in meine Koje. Meine Kabine teile ich mir übrigens mit meinem Mit-Azubi Dennis. Nur am Rande erwähnt. Pünktlich um 11:30 klingelte mein Wecker und ich begab mich daran zu duschen und allerlei sonstigen überflüssigen Kram zu machen. Als da wären: Amsterdamer Stadtpläne und Fährfahrpläne zu studieren, Brote zu schmieren und Mitcrewmitglieder zu wecken. Es wurde nämlich politisch. Ein lokales antifaschistisches Bündnis rief zu einer Demo irgendwo in einem abgelegenen Stadtteil Amsterdams auf. Diese dient zur Vorbereitung einer Gegendemo zu einem geplanten Hoschiumzug der lokalen Nationalen Vollpfostenpartei am nächsten Wochenende. Da war also Saufproleteneinsatz gefragt. Zu viert machte man sich auf den Weg - leider mit dem Auto und nicht wie geplant mit Fähre und Fahrrad. Zur Demo an sich gibt es nicht allzuviel zu sagen. Ruhig wars, Aufgenommen von den Anwohnern wurde es auch gut. Seltsamerweise hat es in Amsterdam funktioniert einen wild randalierenden, linken Terrormob mit nur insgesamt 10 Polizisten in Schach zu halten. Gut ausgebildet, die Kollegen hier, würd ich mal sagen.
Danach noch fix einkaufen gewesen um die Fahrt als Dienstfahrt zu tarnen. Käse für die Kombüse, Zitronen für die Bar. An Bord zurück wurde dann erstmal geschwitzt. Der Landgang, welcher aussieht wie Scheisse musste schön gemacht werden. Gelungen ist es teilweise, Josef ist ja begabt. Ich besann mich auf meine Stärken - roher Körperkraft und Ausdauer in Sachen körperlicher Arbeit. Planken schleppen und Sand schippen für den Weltfrieden und einen sicheren Landgang waren angesagt.
Zum Abendessen gab es dann Nudeln in Zucchini - Sahne - Soße (mit Speck!!!!). Josefs Freundin Luise, welche hier die Küchenfee und Assi-Köchin spielt (umgangssprachlich: Bulletenschmied), sorgt jedenfalls dafür, dass die Crew in den 2 Wochen hier ca durchschnittlich 2-3 Kilo zugelegt hat.
Abends jedoch gab es Haß. Minimaltechno auf jedem Floor. Das Schiff voll mit ca. 900 Leuten, mutmaßlich einer der grössten Parties des Jahres in Holland, die Stubnitz ausverkauft und Ticketpreise von bis zu 50€ auf dem Schwarzmarkt. Keine Ahnung, wer da aufgelegt hat - kling ja eh alles gleich. Aber den Leuten hats gefallen. Tekkerland Holland strikes back!
Hier kommen Leute mit 300€ an Bord und hinterlassen 50€ Trinkgeld. Und ich muss am Einlaß stehen, wo ohne Geld rumhantiert wird. Die Karten werden per Scankasse eingelesen und ich beschränke mich darauf, sicherheitstechnisch zu kontrollieren, dass das Schiff nicht überfüllt wird. So stand ich dort mit dem weltberühmten Axe - Klicker und klickte. 7 Stunden lang. Bis 9 Uhr geht die Party dann doch noch, danach wird noch grob Klar Schiff gemacht und ich liege kurz vor 10 Uhr im Bett. Der Sonnenaufgang so gegen 7Uhr war jedoch wunderschön - ich aber tot. Etwa um 13 Uhr klingelte mein Wecker in Form einer überdimensionierten Kreissäge, die 4m neben meiner Kabine versuchte, Metall zu zerfetzen und mir Ärger zu bereiten.
Zum Mittag gab es Käsebrot und eine warme Dusche. Nun schreibe ich diesen Text und bin mit dem nächsten Satzendzeichen auch damit fertig.